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Magnesium in der Schwangerschaft und Stillzeit: wie viel, welches und wann?

Magnesium in der Schwangerschaft und Stillzeit: wie viel, welches und wann?

Kurz gesagt: In Schwangerschaft und Stillzeit brauchst du rund 300 mg Magnesium am Tag, wie andere Frauen auch. Nüsse, Haferflocken, Vollkorn und grünes Gemüse bringen dich gut dorthin. Ein Präparat kann Lücken schließen, am besten bis 250 mg am Tag und abgesprochen mit deiner Frauenärztin oder Hebamme. Bei Wadenkrämpfen half Magnesium in einer Studie deutlich häufiger als Placebo.

Das Wichtigste in Kürze

  • Bedarf: 300 mg Magnesium am Tag, in Schwangerschaft und Stillzeit gleich. Das empfehlen die EU-Lebensmittelbehörde EFSA und die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE).
  • Essen zuerst: Eine Portion Haferflocken, zwei Scheiben Vollkornbrot, eine Handvoll Mandeln und ein Teller Spinat bringen zusammen schon gut 350 mg.
  • Präparat: Bis 250 mg Magnesium am Tag aus Nahrungsergänzung gelten auch für Schwangere und Stillende als sicher. Zähl dabei das Magnesium aus deinem Schwangerschafts-Multivitamin mit.
  • Wadenkrämpfe: In einer Studie mit 86 Schwangeren halbierten sich die Krämpfe mit Magnesium bei 86 % der Frauen, mit Placebo bei 61 %.
  • Rücksprache: Sprich jede Einnahme mit deiner Frauenärztin oder Hebamme ab, vor allem bei mehr als 250 mg oder bei Nierenproblemen.

Inhalt

  1. Brauchen Schwangere mehr Magnesium?
  2. Wie viel Magnesium in der Schwangerschaft?
  3. 400 oder 800 mg Magnesium: Ist das zu viel?
  4. Welches Magnesium in der Schwangerschaft?
  5. So kommst du über das Essen auf 300 mg
  6. Hilft Magnesium bei Wadenkrämpfen in der Schwangerschaft?
  7. Magnesium im zweiten Trimester und am Ende der Schwangerschaft
  8. Magnesium in der Stillzeit
  9. Magnesium in der Klinik: Was hat es mit der Infusion auf sich?
  10. Magnesium-Tabletten und der Schwangerschaftsverlauf: Was wurde untersucht?
  11. Wann du vorsichtig sein solltest
  12. Häufige Fragen
  13. Grenzen der Forschung und alle Quellen

Brauchen Schwangere mehr Magnesium?

Nein, dein Bedarf steigt kaum. Für Schwangere und Stillende gelten 300 mg Magnesium am Tag, derselbe Wert wie für andere erwachsene Frauen. Wichtig ist, dass du diese Menge in dieser Zeit auch wirklich erreichst.

Dein Körper hat trotzdem viel mit Magnesium zu tun. Magnesium hat eine Funktion bei der Zellteilung. Magnesium trägt zu einer normalen Eiweißsynthese bei. Beides läuft in der Schwangerschaft auf Hochtouren, bei dir und beim Baby.

Das zeigen Studien: Die EFSA fand keine Hinweise auf einen höheren Bedarf in Schwangerschaft und Stillzeit und setzt deshalb denselben Wert an wie für andere Frauen.1 Die DGE kommt 2021 ebenfalls auf 300 mg.2 Ein reif geborenes Baby enthält insgesamt nur rund 0,8 g Magnesium.3 Verteilt auf rund 280 Tage Schwangerschaft sind das im Schnitt etwa 3 mg am Tag (unsere Berechnung). In Deutschland lag in der Nationalen Verzehrsstudie allerdings fast jede dritte Frau (29 %) unter dem Referenzwert.4

Wie viel Magnesium in der Schwangerschaft?

Insgesamt 300 mg am Tag, aus Essen, Getränken und gegebenenfalls einem Präparat zusammen. Aus Nahrungsergänzung solltest du nicht mehr als 250 mg am Tag nehmen, wenn deine Frauenärztin nichts anderes sagt. Diese Obergrenze gilt ausdrücklich auch für Schwangere und Stillende.

Was Wert pro Tag Quelle
Bedarf in der Schwangerschaft 300 mg EFSA, DGE1, 2
Bedarf in der Stillzeit 300 mg EFSA, DGE1, 2
Obergrenze aus Präparaten, Wasser mit Magnesiumzusatz und angereicherten Lebensmitteln 250 mg EFSA5
Magnesium aus normalem Essen keine Obergrenze EFSA5

Die 250 mg sind eine Grenze für Magnesium aus Tabletten, Pulvern und Brausetabletten. Das Magnesium aus Nüssen, Brot oder Gemüse zählt nicht dazu. Aus dem Essen kannst du ohne Sorge so viel aufnehmen, wie es liefert.

Das zeigen Studien: Die EFSA hat die Obergrenze von 250 mg für Erwachsene festgelegt, einschließlich Schwangerer und Stillender. Grund sind mögliche Verdauungsbeschwerden wie weicher Stuhl bei größeren Mengen.5 Die Werte für alle Altersgruppen findest du in Wie viel Magnesium pro Tag?

So geht's praktisch: Viele Schwangerschafts-Multivitamine enthalten schon Magnesium. Schau auf die Nährwerttabelle und rechne zusammen:

  • Beispielrechnung: Multivitamin mit 100 mg Magnesium + Magnesiumpräparat mit 150 mg = 250 mg → passt genau.
  • Multivitamin mit 100 mg + Magnesiumpräparat mit 300 mg = 400 mg → über der Obergrenze. Das nur, wenn deine Frauenärztin es so empfiehlt.

Nimm deine Liste mit zur nächsten Vorsorge und frag deine Frauenärztin oder Hebamme, ob die Summe für dich passt.

400 oder 800 mg Magnesium: Ist das zu viel?

Für die Selbstversorgung ja: 400 oder 800 mg liegen über der Obergrenze von 250 mg aus Präparaten. Wenn deine Frauenärztin dir so eine Menge empfiehlt, zum Beispiel wegen Wadenkrämpfen, ist das eine ärztliche Entscheidung für dich persönlich. Dann gilt, was sie sagt.

Prüf auf der Packung außerdem, was die Zahl meint. „400 mg“ kann das reine Magnesium sein oder die ganze Verbindung. 400 mg Magnesiumcitrat enthalten zum Beispiel deutlich weniger als 400 mg Magnesium. Maßgeblich für die Obergrenze ist immer die Menge Magnesium, die in der Nährwerttabelle steht.

Das zeigen Studien: Die Studien zu Wadenkrämpfen in der Schwangerschaft arbeiteten mit 300 bis 360 mg am Tag.8, 21 Mehr Magnesium bringt vor allem mehr Durchfallrisiko, denn was der Darm nicht aufnimmt, bindet Wasser.5

Welches Magnesium in der Schwangerschaft?

Gut geeignet sind organische Formen wie Magnesiumcitrat oder Magnesiumbisglycinat. Sie werden besser aufgenommen als Magnesiumoxid. Bisglycinat gilt dazu als besonders magenfreundlich, was bei Schwangerschaftsübelkeit angenehm sein kann. Nimm dein Präparat zu einer Mahlzeit und verteile größere Mengen auf zwei Portionen.

Das zeigen Studien: Eine systematische Übersicht über 14 Vergleichsstudien fand, dass organische Formen besser aufgenommen werden als anorganische wie Oxid.6 In den Studien mit Schwangeren kamen Magnesiumbisglycinat, Magnesiumcitrat und Magnesiumlactat zum Einsatz.8, 21, 22 Alle Formen im Vergleich findest du in Welches Magnesium ist das beste?

Tipp: Nimmst du in der Schwangerschaft Eisen? Dann nimm Magnesium am besten zu einer anderen Mahlzeit, mit etwa zwei Stunden Abstand. So stören sich die beiden bei der Aufnahme nicht. Mehr dazu in Magnesium kombinieren.

Magnesium in der Schwangerschaft über das Essen: Frau bereitet mit einer Schwangeren Haferflocken mit Nüssen und Gemüse zu

So kommst du über das Essen auf 300 mg

Mit ein paar festen Bausteinen am Tag schaffst du deinen Bedarf meist ohne Präparat. Die besten Quellen sind Kerne, Nüsse, Haferflocken, Vollkorn, Hülsenfrüchte und dunkelgrünes Gemüse.

Lebensmittel Portion Magnesium
Haferflocken 50 g 69 mg
Vollkornbrot 2 Scheiben (100 g) 75 mg
Mandeln 30 g (eine Handvoll) 81 mg
Spinat, gekocht 150 g 131 mg
Zusammen 356 mg

Werte aus der US-Nährwertdatenbank USDA FoodData Central,7 Portionen und Summe sind unsere Berechnung.

Kürbiskerne sind besonders ergiebig: 30 g liefern rund 178 mg.7 Mehr Beispiele und die große Tabelle stehen in Magnesium in Lebensmitteln.

Das zeigen Studien: Eine Übersichtsarbeit zu Magnesium in der Schwangerschaft rät Schwangeren, mehr magnesiumreiche Lebensmittel wie Nüsse, Samen, Bohnen und Blattgemüse zu essen und bei Bedarf in sicherer Menge zu ergänzen.11

Hilft Magnesium bei Wadenkrämpfen in der Schwangerschaft?

Einen Versuch kann es wert sein. Wadenkrämpfe sind in der Schwangerschaft häufig, vor allem nachts und in der zweiten Hälfte.10 In einer kontrollierten Studie gingen sie mit Magnesium deutlich häufiger zurück als mit Placebo. Sprich vorher mit deiner Frauenärztin oder Hebamme, welche Menge für dich passt.

Magnesium trägt zu einer normalen Muskelfunktion bei. Magnesium trägt zum Elektrolytgleichgewicht bei.

Das zeigen Studien: In einer Studie aus Thailand nahmen 86 Schwangere mit mindestens zwei Krämpfen pro Woche vier Wochen lang Magnesiumbisglycinat (300 mg am Tag) oder Placebo. Mit Magnesium halbierten sich die Krämpfe bei 86 % der Frauen, mit Placebo bei 61 %. Auch die Stärke der Krämpfe ging häufiger deutlich zurück, und Nebenwirkungen waren nicht häufiger als mit Placebo.8 In einer schwedischen Studie mit 73 Frauen ließen die Beschwerden mit Magnesium ebenfalls stärker nach als mit Placebo.9

Unsere Einordnung: Zwei kontrollierte Studien sprechen dafür, dass Magnesium bei Wadenkrämpfen in der Schwangerschaft hilft, und es wurde darin gut vertragen. Die Cochrane-Übersicht, die alle Studien zusammenfasst, bewertet die Ergebnisse als uneinheitlich.10 Wenn dich Krämpfe plagen, kannst du Magnesium nach Rücksprache mit deiner Frauenärztin oder Hebamme vier Wochen lang ausprobieren und schauen, ob es dir hilft. Welche Form und Menge am besten wirkt, müssen größere Studien noch zeigen.

Wadenkrämpfe in der Schwangerschaft: Schwangere dehnt ihre Wade an der Wand

Bei einem akuten Krampf hilft es meist, die Zehen zu dir heranzuziehen oder die Wade an der Wand sanft zu dehnen. Kommen die Krämpfe sehr oft, oder ist ein Bein geschwollen, gerötet oder warm, lass das bald ärztlich anschauen.

Magnesium im zweiten Trimester und am Ende der Schwangerschaft

Dein Bedarf bleibt über die ganze Schwangerschaft bei 300 mg.1, 2 Du musst die Menge also nicht je nach Trimester ändern. Im zweiten und dritten Trimester kommen Wadenkrämpfe häufiger vor. Deshalb fragen viele Frauen genau dann nach Magnesium.

Manche hören, man solle Magnesium in den letzten Wochen absetzen, weil es die Wehen bremsen könnte. Einen Beleg dafür, dass Magnesium-Tabletten die Geburt hinauszögern, haben wir nicht gefunden. In Studien, die mit Magnesium nach vorzeitigen Wehen eine Frühgeburt verhindern wollten, gab es keinen Unterschied.16 Ob du bis zur Geburt weiter nimmst, besprichst du am besten mit deiner Hebamme.

Das zeigen Studien: Die Studien zu Wadenkrämpfen schlossen Frauen zwischen der 14. und 36. Schwangerschaftswoche ein.8, 10 Den Großteil seiner Mineralstoffe lagert das Baby im letzten Drittel der Schwangerschaft ein.3

Magnesium in der Stillzeit

Auch in der Stillzeit brauchst du 300 mg am Tag.1, 2 Die Muttermilch bekommt ihr Magnesium zuverlässig, auch wenn du mal weniger isst. Ein Präparat nimmst du also für dich selbst, nicht für die Milch. Für die Menge gilt dieselbe Obergrenze von 250 mg aus Präparaten.5 Sprich auch in der Stillzeit mit deiner Hebamme oder Ärztin, bevor du ergänzt.

Das zeigen Studien: Muttermilch enthält im Mittel rund 31 mg Magnesium pro Liter. Wie viel Magnesium in die Milch geht, hängt kaum von Ernährung oder Nahrungsergänzung der Mutter ab.12 Voll gestillte Babys trinken rund 0,8 Liter am Tag.13 Das sind etwa 25 mg Magnesium, die dein Körper täglich für die Milch bereitstellt (unsere Berechnung).

Magnesium in der Klinik: Was hat es mit der Infusion auf sich?

Vielleicht hast du gehört, dass Schwangere in der Klinik Magnesium über die Vene bekommen. Das ist eine ärztliche Behandlung mit Magnesiumsulfat in viel höherer Menge und unter Überwachung. Mit Magnesium-Tabletten aus Drogerie oder Apotheke hat das nichts zu tun.

Eingesetzt wird die Infusion vor allem in zwei Situationen:

  • Bei schwerer Präeklampsie (einer Form von Bluthochdruck in der Schwangerschaft), um Krampfanfälle zu verhindern.
  • Vor einer sehr frühen Geburt, zum Schutz des kindlichen Gehirns.

Das zeigen Studien: In sechs Studien mit über 11.000 Frauen mit Präeklampsie senkte Magnesiumsulfat das Risiko für Krampfanfälle (Eklampsie) um mehr als die Hälfte. Ein Viertel der Frauen bemerkte Nebenwirkungen, meist Hitzewallungen.14 Bei drohender Geburt vor der 34. Woche hatten Kinder nach Magnesiumsulfat seltener eine Zerebralparese, eine Bewegungsstörung durch eine frühe Hirnschädigung.15 Diese Ergebnisse gelten für die ärztliche Behandlung in der Klinik. Für Nahrungsergänzung lässt sich daraus nichts ableiten.

Magnesium-Tabletten und der Schwangerschaftsverlauf: Was wurde untersucht?

Forschende haben auch untersucht, ob Magnesium als Tablette den Verlauf der Schwangerschaft beeinflusst. Die Ergebnisse sind gemischt. Eine Empfehlung zur Einnahme lässt sich daraus nicht ableiten, sie sind aber gut zu kennen, wenn du darüber liest.

Das zeigen Studien: Eine Cochrane-Übersicht über 10 Studien mit 9.090 Frauen fand, dass Schwangere mit Magnesium seltener ins Krankenhaus mussten.17 Eine Auswertung von sieben Studien fand mit Magnesium seltener eine Präeklampsie, allerdings nur in Studien, die auch Risikoschwangere einschlossen. Bei Schwangeren ohne besonderes Risiko zeigte sich kein klarer Unterschied.18

Wann du vorsichtig sein solltest

Magnesium aus Lebensmitteln ist in der Schwangerschaft unbedenklich. Bei Präparaten ist die häufigste Nebenwirkung weicher Stuhl, vor allem bei größeren Mengen auf einmal. Das lässt sich meist vermeiden, indem du die Menge auf zwei Mahlzeiten verteilst.

Wichtig: Bei eingeschränkter Nierenfunktion kann sich Magnesium im Körper anreichern.19 Nimm dann nur Magnesium, wenn deine Ärztin es verordnet. Zu Eisen, Schilddrüsenhormon und bestimmten Antibiotika brauchst du ein paar Stunden Abstand. Die Details stehen in Wann sollte man Magnesium einnehmen? Bekommst du Magnesium als Medikament verordnet, zählt es zu deiner Tagesmenge. Frag dann vor jedem zusätzlichen Präparat nach.

Häufige Fragen

Darf man in der Schwangerschaft Magnesium nehmen? Ja. Bis 250 mg Magnesium am Tag aus Präparaten gelten auch in der Schwangerschaft als sicher.5 Sprich die Einnahme trotzdem mit deiner Frauenärztin oder Hebamme ab, vor allem wenn du schon ein Multivitamin mit Magnesium nimmst.

Wie viel Magnesium am Tag in der Schwangerschaft? Insgesamt 300 mg am Tag aus Essen und Getränken, davon höchstens 250 mg aus Präparaten.1, 2, 5 Mehr nur auf ärztlichen Rat.

Welches Magnesium ist in der Schwangerschaft am besten? Organische Formen wie Magnesiumcitrat oder Magnesiumbisglycinat. Sie werden gut aufgenommen,6 und Bisglycinat gilt als besonders magenfreundlich. Die Studie mit dem deutlichsten Ergebnis bei Wadenkrämpfen arbeitete mit Bisglycinat.8

Wofür ist Magnesium in der Schwangerschaft gut? Magnesium hat eine Funktion bei der Zellteilung. Magnesium trägt zu einer normalen Muskelfunktion bei. Magnesium trägt zur Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung bei. Magnesium trägt zur Erhaltung normaler Knochen bei. Mehr dazu in Magnesium: Wirkung im Körper.

Kann man in der Schwangerschaft zu viel Magnesium nehmen? Aus dem Essen kaum. Mit Präparaten über 250 mg am Tag steigt vor allem das Risiko für Durchfall.5 Bei gesunden Nieren scheidet der Körper überschüssiges Magnesium aus.19

Braucht man in der Stillzeit mehr Magnesium? Nein, auch dann gelten 300 mg am Tag.1, 2 Die Milch bekommt ihr Magnesium, weitgehend unabhängig davon, ob du ergänzt.12

Grenzen der Forschung und alle Quellen

Ob Schwangere mehr Magnesium brauchen, sehen nicht alle gleich: Die EFSA fand keine Hinweise auf einen Mehrbedarf,1 eine Übersichtsarbeit geht dagegen von einem höheren Bedarf aus, den viele Schwangere nicht decken.11 Der Magnesiumstatus lässt sich im Blut nur ungenau messen, was solche Fragen schwer macht.11

Zu Wadenkrämpfen gibt es nur wenige und kleine Studien, die ihre Ergebnisse unterschiedlich messen. Die Cochrane-Übersicht (8 Studien, 576 Frauen) konnte sie deshalb nicht zusammenrechnen und stuft die Aussagekraft als niedrig ein.10 In einer norwegischen Studie mit 38 Frauen gingen die Krämpfe mit 360 mg Magnesiumlactat und -citrat nicht stärker zurück als mit Placebo.21 Dasselbe galt in einer brasilianischen Studie mit 132 Frauen und Magnesiumcitrat.22 Eine Auswertung von vier Studien mit 332 Frauen fand insgesamt keinen Unterschied bei der Häufigkeit.23 Auch in den positiven Studien gingen die Krämpfe mit Placebo spürbar zurück.8

Zum Schwangerschaftsverlauf kommt die Cochrane-Übersicht zu dem Schluss, dass es nicht genug hochwertige Studien gibt, um einen Nutzen von Magnesium-Tabletten zu zeigen. In den beiden besten Studien gab es keine Unterschiede bei den Hauptzielen.17 Eine große Studie mit 829 Risikoschwangeren fand mit 300 mg Magnesiumcitrat keinen Unterschied bei Komplikationen für Mutter oder Kind.20 Nach vorzeitigen Wehen verhinderte eine Erhaltungstherapie mit Magnesium keine Frühgeburt, bei häufigerem Durchfall.16 Die Klinikbefunde zu Magnesiumsulfat stammen aus einer ärztlichen Therapie in hoher Dosis und lassen sich nicht auf Nahrungsergänzung übertragen.14, 15 Die Werte zur Muttermilch schwanken zwischen Studien stark.12

Alle 23 Quellen anzeigen
# Studie Wer untersucht Ergebnis Aussagekraft
1 EFSA NDA Panel 2015, EFSA Journal Ernährungserhebungen aus 9 EU-Ländern Frauen 300 mg; kein Mehrbedarf in Schwangerschaft und Stillzeit offizielle Bewertung
2 DGE, ÖGE, SGE 2021: Referenzwerte Magnesium Schätzwerte Schwangere 300 mg, Stillende 300 mg offizielle Referenzwerte
3 Kovacs 2016, Physiol Rev Übersichtsarbeit zum Mineralstoffwechsel reifes Neugeborenes enthält rund 0,8 g Magnesium; Großteil der Mineralien im letzten Drittel eingelagert Review
4 Max Rubner-Institut 2008: Nationale Verzehrsstudie II, Teil 2 15.371 Befragte (14 bis 80 Jahre) 29 % der Frauen unter dem Referenzwert bundesweite Erhebung
5 EFSA / SCF 2001 Behördengutachten Obergrenze 250 mg/Tag aus Nahrungsergänzung, auch für Schwangere und Stillende offizielle Bewertung
6 Pardo et al. 2021, Nutrition 14 Vergleichsstudien organische Formen besser aufgenommen als anorganische systematischer Review
7 USDA FoodData Central, SR Legacy Nährwertdatenbank Magnesiumgehalte je 100 g Referenzdaten
8 Supakatisant & Phupong 2015, Matern Child Nutr 86 Schwangere (14. bis 34. Woche), Magnesiumbisglycinat-Chelat 300 mg/Tag, 4 Wochen Krämpfe halbiert bei 86 % vs. 61 % (Placebo); Nebenwirkungen gleich kontrollierte Studie, Universität (Thailand)
9 Dahle et al. 1995, Am J Obstet Gynecol 73 Schwangere, 3 Wochen weniger Beschwerden durch Krämpfe als mit Placebo kleine kontrollierte Studie, Universität (Schweden)
10 Luo et al. 2020, Cochrane Database Syst Rev 8 Studien, 576 Schwangere Magnesium bei Wadenkrämpfen: Ergebnisse uneinheitlich; Nebenwirkungen wie Placebo Cochrane-Review, niedrige Aussagekraft der Einzelstudien
11 Dalton et al. 2016, Nutr Rev Übersichtsarbeit rät zu magnesiumreichen Lebensmitteln bzw. Ergänzung in sicherer Menge; sieht höheren Bedarf Review
12 Dórea 2000, J Am Coll Nutr Übersicht über Muttermilch-Analysen Median 31 mg/l; kaum abhängig von Ernährung und Ergänzung der Mutter Review
13 Daniels et al. 2019, Am J Clin Nutr 113 Mutter-Kind-Paare (Indonesien) voll gestillte Babys tranken im Mittel 787 ml Milch am Tag Querschnittstudie
14 Duley et al. 2010, Cochrane Database Syst Rev 6 Studien, 11.444 Frauen mit Präeklampsie Magnesiumsulfat (Klinik): Eklampsie-Risiko mehr als halbiert; 24 % Nebenwirkungen Cochrane-Review, ärztliche Therapie
15 Shepherd et al. 2024, Cochrane Database Syst Rev 6 Studien, 5.917 Frauen mit drohender Frühgeburt vor der 34. Woche Magnesiumsulfat (Klinik): seltener Zerebralparese beim Kind Cochrane-Review, ärztliche Therapie
16 Han et al. 2013, Cochrane Database Syst Rev 4 Studien, 422 Frauen nach vorzeitigen Wehen Magnesium-Erhaltungstherapie: kein Unterschied bei Frühgeburten; mehr Durchfall Cochrane-Review
17 Makrides et al. 2014, Cochrane Database Syst Rev 10 Studien, 9.090 Schwangere seltener Krankenhausaufenthalte; Hauptziele in den besten Studien unverändert Cochrane-Review
18 Yuan et al. 2021, Biol Trace Elem Res 7 Studien, 2.653 Schwangere seltener Präeklampsie gesamt; bei Schwangeren ohne Risiko kein klarer Unterschied Meta-Analyse
19 Rosner et al. 2023, Mayo Clin Proc Übersichtsarbeit Anreicherung bei eingeschränkter Nierenfunktion Review
20 de Araújo et al. 2020 (BRAMAG), BMC Pregnancy Childbirth 829 Risikoschwangere, Magnesiumcitrat 300 mg bis zur Geburt kein Unterschied bei Komplikationen für Mutter und Kind große kontrollierte Studie
21 Nygaard et al. 2008, Eur J Obstet Gynecol Reprod Biol 38 Schwangere, 360 mg Magnesiumlactat/-citrat, 2 Wochen kein Unterschied zu Placebo bei Wadenkrämpfen kleine kontrollierte Studie
22 de Araújo et al. 2020, PLoS ONE 132 Schwangere, Magnesiumcitrat 300 mg/Tag, 4 Wochen kein Unterschied zu Placebo bei Wadenkrämpfen kontrollierte Studie
23 Liu et al. 2021, Taiwan J Obstet Gynecol 4 Studien, 332 Schwangere Häufigkeit der Krämpfe insgesamt nicht verringert Meta-Analyse

Autor: Redaktion PRONESIUM · Zuletzt geprüft am 30.09.2026 · Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung und keine Beratung durch deine Hebamme.

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